Baikalsee

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Meine lang ersehnte Reise zum Baikalsee wurde endlich Realität. Mit dem Flugzeug ging es los nach Moskau. Ich war sehr überrascht von dieser Stadt. Ich hatte sie mir so ganz anders vorgestellt. Was ich mir anders vorgestellt hatte, kann ich nicht sagen. Die positive Stimmung von der WM war in der ganzen Stadt spürbar. Es war ein sehr schöner Start für die Reise.

Am anderen Tag ging es vom Bahnhof Jaroslaw mit der transibirischen Eisenbahn, Zug Nr. 70 los. Es war 35°C Grad heiss. Dieser Sommer war überall überdurchschnittlich heiss. Ich hoffte, dass es in Sibirien etwas kühler ist.
Vier Tage und vier Nächte Zugfahrt lag vor mir. Ich freute mich auf diese Entschleunigung meines normalen Alltags. Das kleine Zugabteil war gemütlich. Wir waren nur zu zweit und konnten uns ausbreiten. Obwohl ich genug Bücher dabei hatte, habe ich während der Zugfahrt kaum gelesen. Es war zu schön, einfach die Landschaft zu geniessen und mit den Leuten im Wagen zu reden. Leider konnte ich kein russisch sprechen und lesen (was ich für ein nächstes Mal unbedingt lernen muss).

Wir hielten immer wieder an verschiedenen Orten. Manchmal nur zwei Minuten, manchmal eine Stunde. Man konnte sich da immer mit Essen und sonstigen Sachen eindecken. Ich fand vor allem die frischen Beeren super. Wir fuhren Stunden durch Wälder und Steppen. Auch der Grenzstein zwischen den Kontinenten Europa und Asien konnte ich im vorbeifahren erhaschen.

Am vierten Tag kam der Zug in Irkutsk an. Das war für mich wie auch für viele andere die Endstation.

Irkutsk ist eine sehr schöne Stadt an dem Fluss Angara, dem einzigen Abfluss vom Baikalsee. Mir gefiel die Stadt wirklich gut. Es hat viele alte Gebäude und ist sehr sauber. Auch die verschiedenen Parkanlagen, entlang der Angara sind sehenswert und historisch ist die Stadt sehr interessant.

Der erste Blick zum Baikalsee war im Dorf Listwjanka. Hier fliesst die Angara aus dem See. Ein traumhafter Blick. Leider empfand ich Listwjanka nicht so schön. Es hatte Bussladungen Touristen, mehrheitlich chinesische. Was mich störte, war eigentlich nicht die Menge an Menschen, sondern das Benehmen der Touristen. Ich war froh, als es endlich los ging in Richtung Olchoninsel.

Die Fahrt nach Chuzir auf der Olchoninsel dauerte einen Tag. Die Unterkunft war ein Zimmer mit Bad in einem sibirischen Holzhaus. Die Gastgeber, ein russisches Ehepaar sind sehr liebe und herzliche Menschen. Man fühlte sich gleich Zuhause.

Der kleine Spaziergang durch das Dorf endete beim berühmten Schamanenfelsen. Trotz der sehr vielen Leute, hat dieser Ort seine Magie nicht verloren. Man muss es einfach etwas wirken lassen. Überhaupt ist die ganze Insel toll. Die Nordspitze und die markanten Felsformationen waren eindrückliche Bilder. Ich genoss es, hier auch so viele Schmetterlinge und verschiedenste Pflanzen zu bestaunen. Der Duft verschiedener Blumen und Kräuter lag stets in der Luft.

Die Weiterreise ging per Schiff über den See. Es war ein sonniger Tag. Mit dem Schiff konnte ich die Olchoninsel, zumindest die Westküste nochmals bestaunen. Und das im goldenen Morgensonne. Danach ging es ostwärts auf den offenen See. Der See ist so breit, dass man kein Land mehr sah. Es war wie auch dem Meer. Man sah mit dem Fernglas die kugelrunden Baikalseeroben spielen. Zum Mittagessen gab es vom Käpten gekochte Soljankasuppe (eine typisch russische Suppe mit sehr vielen verschiedenen Zutaten). So etwas gutes habe ich selten gegessen.

Die ganze Überquerung dauerte über neun Stunden. Dann kamen wir in Ust- Barguzin an. Man merkte sofort, dass es hier an der Ostküste sehr wenige Touristen hat. Auch hier, hatten wir eine Unterkunft in einem kleinen Holzhaus bei einer einheimischen Familie. Es war alles so herzlich und gastfreundlich.

Am anderen Tag fuhren wir ins Barguzintal. Ich stellte mir ein enges kleines Tal vor. Es war gerade das Gegenteil. Das Tal war riesig und weitläufig. Es war sehr heiss hier, 37°C. Aber es war ein sehr schönes grünes Tal. Leider konnte man die Petroglyphen an den Felsen nicht mehr erkennen. Die Erosion war schon zu weit fortgeschritten. Das Mittagessen nahmen wir bei Nina, einer Bewohnerin des Dorfes Suvo ein. Das war gut! Wie alle Menschen in Sibirien hat auch Nina einen riesigen Garten, wo sie alles selber anpflanzt und kocht. Das ganze Essen war selber hergestellt und nichts war von einem Supermarkt gekauft.

Ein anderer Ausflug ging auf die Halbinsel heilige Nase. Das ist ein grosses Naturschutzgebiet. Hier badete ich im wunderbar klaren See. Das Wasser war ca. 16°C warm. Mit dem Motorboot besuchten wir einige kleine Inseln, die von 1000 Vögel bewohnt sind. Bei einem schönen Picknick auf eine kleinen Insel, konnte ich ein weiteres Bad im See geniessen. Wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter. Es war immer sehr schön.

Leider nahte auch der Abschied vom wunderschönen Baikalsee und seinen Bewohnern. Wir fuhren einen ganzen Tag bis nach Ulan Ude, der Hauptstadt Burjatiens. Diese Stadt gefiel mir besonders gut. Es ist so eine Mischung aus Seidenstrasse, Orient, Ostasien und auch etwas Mittelmeerflair. Die Stadt war sehr interessant anzuschauen.

Zum Schluss durften wir noch eine Familie von den Altgläubigen in einem Dorf besuchen. es war etwa zwei Stunden weg von Ulan Ude. Wir wurden mit Gesang und Musik empfangen. Es sind sehr offene und warmherzige Menschen. Wir erfuhren viel über ihre Kultur und ihre Geschichte. Nachdem sehr guten Essen, gaben sie uns ein kleines Konzert mit Liedern, deren Texte und Melodien über 300 Jahre alt sind. Sie zeigten uns auch ihren Brauch wie man eine Braut herrichtet. Es war ein sehr schöner und spannender Abend.

Die Reise neigte sich dem Ende zu. Wir flogen via Moskau zurück nach Hause.

Für mich war das definitiv nicht die einzige Reise zum Baikalsee. Ich werde dieses wunderschöne Gebiet wieder besuchen.

 

 

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